Alex Hausmann ·
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Vom Bankschalter zur Ölmühle

Von der Bank zur Ölmühle

Als ihr Sohn erkrankte, suchte eine Bankangestellte nach etwas wirklich Reinem — und presst heute in Krasnodar 19 Öle von Hand in Holzfässern, ohne Hitze, ohne Metall.
Von der Bank zur Ölmühle

Der Anlass

Elena Jerofejewa hat in einer Bank gearbeitet — geregelter Job mit sicherem Gehalt. Was sie da heraustrieb, war an sich kein Businessplan, sondern die Sorge einer Mutter. Ihr kleiner Sohn litt unter einer hartnäckigen Hauterkrankung; die Ärzte rieten zu möglichst natürlichen, unbelasteten Lebensmitteln. Ungefähr zur selben Zeit brachte ihr Bruder aus Slowenien ein paar Flaschen richtig gutes Öl mit — kalt gepresst, wie man es früher machte. Elena probierte, verglich und las sich ein. Und merkte dann: Was sie für ihre Familie suchte, gab es im Supermarktregal kaum noch. Also fing sie an, es selbst zu pressen.

Was sie aufgebaut hat

Aus der Sorge wurde dann später eine kleine Manufaktur. Heute presst Elena 19 verschiedene Öle — Lein, Walnuss, Distel, Kürbis, Schwarzkümmel, Hanf, Haselnuss und mehr. Dazu kommen Ölkuchen, Mehl, Himalaya-Salz und Kräutertee. Nichts davon läuft über eine große Fabrik. Sie schüttet die Saat in ein Holzfässchen, eine hydraulische Presse drückt mit bis zu 100 Tonnen — bei Zimmertemperatur, ohne Hitze, ohne dass das Öl je Metall berührt. Abgefüllt wird sofort in dunkles Glas und gekühlt. Alles in Handarbeit, langsam und eigensinnig — und genau das ist der Punkt.

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Warum kalt gepresst

Industrieöl wird meist heiß und mit Lösungsmitteln aus der Saat geholt — schnell, billig, lange haltbar. Elenas Weg ist das Gegenteil: kalt, langsam, frisch. Ihr Argument ist schlicht — bei der schonenden Pressung bleibe mehr von dem im Öl, worauf es ankommt. Und sie räumt mit einem Mythos auf: Gutes Leinöl sei gar nicht bitter; bitter werde es erst, wenn es alt wird und oxidiert. Frische und Echtheit sind ihr Verkaufsargument — und ihr Anspruch an sich selbst.

„Echtes Leinöl ist nicht bitter — bitter wird es erst, wenn es alt wird und oxidiert.“ — Elena Jerofejewa

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Die ungeschönten Zahlen

Elena redet beim Geld nicht um den heißen Brei:

Produkte 19 kaltgepresste Öle (+ Mehl, Salz, Tee)
Verfahren Holzfass-Presse, bis 100 t, ohne Hitze und ohne Metall
Startkapital ~2 Mio. ₽
Umsatz ~900.000 ₽/Monat
Gewinn ~390.000–500.000 ₽/Monat
Rentabel nach ~1,5 Jahren

Der Weg dahin war aber kein Selbstläufer: Erst nach rund anderthalb Jahren trug sich der Betrieb. Bis heute fließt viel zurück in bessere Rohware und Technik — denn an der Rohware, sagt sie, hängen ungefähr 80 Prozent der Qualität.

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Die Hürden

Wer denkt, das sei ein recht gemütliches Hobby, der irrt. Manche Öle pressen sich quälend langsam: Leinsaat braucht eineinhalb bis drei Stunden , Sanddorn sogar mehrere Tage — für eine recht überschaubare Menge. Gute Rohware zu finden, dafür hat sie Jahre gebraucht; verlässliche Lieferanten sind Gold wert. Und die großen Online-Marktplätze? Hat sie bewusst verlassen. Frisch gepresstes Öl verträgt keine wochenlange Lagerung ohne Kühlung — was dort mit der Ware passiert, hätte ihren ganzen Anspruch ruiniert.

„Ich bin weg von den Marktplätzen — jetzt schütte ich die Saat einfach ins Fässchen“ , sagt sie. Lieber kleiner und richtig als "groß und faul".

Meine Ansicht

Elena hat im Kern dasselbe getan wie Viktor in Paraguay und Pawel in Tatarstan : Sie hat ebenfalls ihr Einkommen umgebaut — weg vom Schalter, hin zu etwas, das man anfassen, riechen, schmecken kann. Bemerkenswert ist der Auslöser: kein Renditeversprechen, sondern ein klares Problem in der eigenen Familie. Aus diesem sehr persönlichen Schmerz ist ein Wert für andere geworden.

Das ist ein Muster, das mir in diesen Geschichten immer wieder begegnet: Klein und echt schlägt meist groß und anonym. Und Vertrauen — die offene, nachvollziehbare Herstellung — ist hier kein Marketing, sondern bei ihr das eigentliche Produkt.


Die Frage von mir an Dich ist dieselbe wie immer: Was kann ich, das Menschen wirklich brauchen — egal, was kommt?

Schaue Dir dazu Deine eigene Umgebung, deine Nachbarschaft, deine Region an!

Abschlussgedanken

Eine Mutter, die für ihr Kind nach etwas Reinem suchte — und am Ende ein kleiner, gesunder Betrieb daraus wurde. Das ist keine Sensation, und gerade deshalb macht es meiner Meinung nach Mut. Es zeigt: Du bist den Umständen nicht ausgeliefert. Manchmal beginnt ein neuer Weg nicht mit einem großen Plan, sondern mit einer einzigen Frage, die dir keine Ruhe lässt — Tropfen für Tropfen .

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Dieser Beitrag ist ein eigenes Porträt und allgemeine Information — keine Gesundheits-, Ernährungs- oder Anlageberatung.Alle Zahlenangaben stammen aus der zugrunde liegenden Reportage und wurden nicht unabhängig geprüft; die Rechte am Original und an den Original-Fotos liegen bei der Quelle.